Zeit, Abschied zu nehmen

Zeit, Abschied zu nehmen

Persönliche Worte von André Krüll

Foto: KitzingPix

 

Morgen ist er nun, mein letzter Arbeitstag bei unseren IceFighters. Zeit für einen Rückblick. Eines vornweg, ich bin sehr stolz auf das, was wir da alle gemeinsam aufgebaut und geleistet haben.

Wir haben in den letzten 11 Jahren sicher nicht alles richtig gemacht, aber ich glaube auch nicht zu viel falsch, sonst würde es uns heute gar nicht mehr geben.

Verrückt, verrückter, einfach mal los - DER ANFANG

Der Eissport in Leipzig steht nach der 3. Insolvenz der Blue Lions vor dem Aus.
Ich kann bis heute nicht sagen, wie und warum es so gekommen ist, dass ausgerechnet wir drei dazu bewogen wurden, das Eishockey hier zu erhalten. Ziemlich ahnungslos, perspektiv- und planungslos (so hart kann man das heute sagen) stellten wir uns dieser Herausforderung. Keiner von uns wusste, was da auf uns zukommt, aber auch was wir da in Bewegung setzen würden.

Heute weiß ich, es war eine gute Entscheidung, eine wichtige!

Links? Rechts? Geradeaus? - DER WEG

Nein, das alles gab es für uns nicht. Es gab immer nur einen Grundsatz: vorwärts und immer weiter, immer weiter. Was haben wir in den letzten Jahren erlebt, ich glaube kaum ein anderer Sportverein kann in so einer kurzen Zeit auf so viele Ereignisse zurückblicken. Kaum ein anderer Verein hat sich in so einer Form selbst erschaffen, X Mal gerettet und sich nebenbei selbst eine Spielstätte gebaut.

Was haben wir gemeinsam auf den Weg gebracht, einen eigenständigen Eissportclub, der heute stetig wächst und wächst, in dem viele Eltern und Ehrenamtliche für unseren Nachwuchs alles geben, wo sich Eiskunstlauf wiederfindet und uns so manche Hobbytruppe das Eis zerkratzt.

In Leipzig selbst namen- und bedeutungslos, heute neben Fussball und Handball stark etabliert und nicht mehr wegzudenken.

Was haben wir gekämpft, um bei der Stadt Gehör zu finden, was haben wir alles unternommen. Oft aussichtslos, aber es ging doch immer weiter. Und heute haben wir es geschafft, wir sind angekommen, wir haben eine Spielstätte. Die Stadt Leipzig fördert diesen Sport, viele Unternehmen und Partner stehen den IceFighters zur Seite. Wenn uns Dreien das einer vor 11 Jahren gesagt hätte… 

Tja, und da war ja noch die, so glaube ich, einmaligste Zeit, die einmaligste Aktion die ich aus dem Sport kenne. Eine Zelthalle wird innerhalb von 3 Monaten (!) in Taucha gebaut, aus dem Nichts aus dem Boden gestampft. Eine komplette Eishalle mit Kabinen und allem was es bedarf. Hier könnte ich noch heute allen jeden Tag ein Danke zurufen. Ich habe noch nie vorher Sponsoren, Fans, Verantwortliche und ja, auch Stadträte der Stadt Taucha so zusammenarbeiten sehen.

Es fällt schwer, dafür hier die richtigen Worte zu finden, aber ich glaube, alle die dabei waren, wissen was ich meine.

Vorwärts gehen, Sicherheit, Vorfreude - DIE ZUKUNFT

Wir haben in den letzten Monaten und Wochen intensiv daran gearbeitet, uns selbst neu aufzustellen. Es ist uns gelungen, ein tolles Team zusammenzufinden. Ich möchte mich hier bei allen neuen Gesellschaftern bedanken. Danke, dass Ihr diese Aufgabe annehmt. Danke, wie Ihr Euch in den letzten Wochen hier eingebracht habt und natürlich möchte ich mich dafür bedanken, dass Ihr mich diesen Weg gehen lasst.

Es ist an der Zeit, dass der Club eine neue Ausrichtung erhält. Jetzt haben wir die Chance, weg zu kommen vom Überlebenskampf, hin zu Planungssicherheit, Standortsicherheit und endlich der Möglichkeit, sich den sportlichen Dingen noch mehr widmen zu können. Es ist gut, dass neue Impulse gesetzt werden, neue andere Wege gegangen werden und ich bin fest davon überzeugt, dass unser großes Ziel, die DEL 2, realistisch werden kann.

Treu, treuer, am zuverlässigsten - DIE SPONSOREN

Einige von Euch sind vom ersten Tag an dabei, viele von Euch über die Jahre dazu gekommen.

Auch hier möchte ich mich bei jedem einzelnen noch einmal bedanken. Ihr habt uns nie hängen lassen, habt immer zu uns gestanden, egal ob kein Stadion, keine Lizenz oder Pandemie. Ihr wart immer da und habt vor allem, was in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich ist, Ihr habt immer Euer Wort gehalten. Seid oft mit unglaublichen Summen (wenn ich dabei an den Zeltbau denke) in Vorleistung, ins Risiko gegangen. Ich ziehe meinen Hut für so viel Vertrauen in die Sache und die Wichtigkeit – nicht nur für uns, vor allem für unsere Kinder aus dem Nachwuchs, dass diese heute noch Ihrem Sport nachgehen können.

Ich hoffe und gehe davon aus, dass Ihr uns alle erhalten bleibt. Auch für Euch kommen  Zeiten, die Euch Sicherheit geben und vielleicht bestätigen, dass Ihr diesen wahnsinnig steinigen Weg nicht umsonst mit uns gegangen seid.

Erster, Letzter, aber immer - DIE MANNSCHAFT

Als ich meine ersten Spielerverpflichtungen aushandelte, fand ich das noch ziemlich lustig. Und war auch hier noch ziemlich ahnungslos. Aber ich glaube, die ersten Spieler, die bei uns spielten dachten das auch…

Wir konnten und wollten uns nie diese Übermannschaft leisten. Was wir aber immer wollten, war ein echtes Team. Ein Team, was den Namen und diesen Club vertritt, verkörpert und alle Ehre macht.

Und ich glaube, das haben wir sehr gut hinbekommen. Bis heute habe ich mit den meisten Spielern noch Kontakt, viele die schon lange nicht mehr da sind, viele die auch nie hier waren.

Ich muss meiner Mannschaft ein großes Dankeschön aussprechen. Egal in welcher Besetzung, Ihr habt immer zu uns gestanden, so viele schwierige Situationen mit gemeistert, seid nie weggelaufen, obwohl oft gar keiner wusste, ob es weiter geht.
Habt viele Entscheidung mit getragen, auf einiges verzichtet.

Ich glaube auch, dass unser Führungsstil etwas einzigartig war und hoffe, dass Ihr Euch bei uns wohl gefühlt habt.

Jungs – bleibt gesund, geht Euren Weg und vergesst aber nie, wo Ihr herkommt.

Danke Mannschaft, für diese unglaublich geile Zeit mit Euch. 

Erfolg, erfolgreicher, Schleuderstuhl - DIE TRAINER

Jeder Trainer, der bei uns gearbeitet hat, hat hier etwas bewegt, aufgebaut und vorwärts gebracht. Jeder auf seine Art und Weise. Ich bin jedem einzelnen dankbar für seine Zeit in Leipzig. Der erste ist sogar geblieben, obwohl er es hätte einfacher haben können, bis heute telefonieren wir ab und zu, ich schicke ganz liebe Grüße nach Tschechien.
Der nächste ist bis heute immer da, wenn man Ihn braucht, hat nie etwas eingefordert, war immer einfach für jede Hilfe bereit. Tja, und jetzt schicke ich liebe Grüße nach Hamburg. Obwohl das eine unserer schwersten Entscheidungen war, bin ich froh, dass Du nicht nachtragend bist, im Gegenteil. Du bist wieder hergekommen, hast unser Stadion mit aufgebaut und bist bis heute ein guter Freund der IceFighters-Familie. Danke für soviel Größe.
Dann kam eine ganz entscheidende Zeit für den Standort Leipzig, kein anderer hat das Eishockey hier so publik und bekannt gemacht, hat uns so gepusht und vorangetrieben, hat sportliche Erfolge nach Leipzig geholt und sogar ein wenig internationales Flair. Ich schicke Grüße nach Chemnitz und glaub mir, ich schätze das unglaublich, was Du hier geleistet hast.

So, und dann haben wir ja noch unseren jetzigen Coach. Was soll ich sagen, eigentlich hatte ich mich schon für einen anderen entschieden und dann kamst Du durch Zufall ins Spiel.
Ich denke im Laufe der Zeit sind wir Freunde geworden. Ein Freund, ein Trainer, auf den ich mich immer verlassen konnte. Es war damals die richtige Entscheidung auf mein Bauchgefühl zu hören. Unglaublich, wie Du Dich hier eingebracht hast, wie ruhig und besonnen wir agiert haben. Was haben wir alles auf den Weg gebracht, was hattest Du für Angebote…aber ich glaube du weißt auch, es gibt wenige Standorte, wo Du so arbeiten könntest wie hier, ausgestattet mit einer großen Portion Rückendeckung und Sicherheit. Für mich bist und bleibst Du vor allem ein überragender Mensch…

Nicht ersetzbar, immer da, unbezahlbar - DAS TEAM UMS TEAM

Wo fang ich da an, wo hör ich auf. Jeder einzelne hat seinen Beitrag für dieses ‚Projekt IceFighters‘ geleistet, ehrenamtlich so manche Stunde geholfen. Vom für mich einmaligsten Stadionsprecher, übers Kampfgericht zu den Ordnern, unser Team vom Fanshop, unsere Mannschaftsbetreuer bis hin zu unseren Ärzten und Physios, unsere Eismeister, Busfahrer, Zeugwarte, Mitarbeiter im Catering und in der Eishalle.
Tja, und dann ist da noch mein Büroteam, meine Mädels. Was habt Ihr alles mitgemacht, ausgehalten, mit gekämpft, mit gestritten. Ich konnte mich immer auf Euch verlassen und bin froh, dass Ihr an meiner Seite wart. Es hat unendlich viel Spaß gemacht, Ihr werdet mir sehr fehlen.

All das, was ich hier vorher beschrieben habe, wäre ohne Euch nicht möglich gewesen. Ich weiß Eure Leistung mehr als zu schätzen und hoffe, Ihr bleibt diesem einmaligen Club alle treu.

Ich sage Danke, dass Ich über diesen langen Zeitraum immer auf Euch zählen konnte.

Ohne Worte, unbeschreiblich, einmalig - DIE FANS

Nach den vielen Dankeschöns, die ich bisher schon los geworden bin, fällt es nun natürlich noch schwerer hier noch eins drauf zu setzen. Aber ich hoffe es gelingt mir!

Natürlich war das eine verrückte Entscheidung alles neu zu machen, neuer Name, neues Logo, neue Ausrichtung und und und…

Im Nachhinein war das die absolut richtige Entscheidung, heute ist der Name „ EXA IceFighters“ ein Begriff, „eine Marke“ in Leipzig! Und warum, weil Ihr diesen Weg bedingungslos mitgegangen seid.

Unser damaliger Fanbeauftragter war unser erster Ansprechpartner und noch heute bin ich froh, dass wir dies gemeinsam so offen besprochen haben. Ich weiß, du warst und bist nicht immer unumstritten aber ich bin jemand, der solche Dinge nicht vergisst. Du hast das in die Fanszene hinein getragen und Ihr alle habt es aufgenommen. Für viele vielleicht damals und heute gar nicht so wichtig, für mich ganz entscheidend für das, was wir daraus gemacht haben.

Und dann unsere gemeinsame Zeit, was haben wir erlebt, gelitten und zusammen geleistet.
In Taucha haben wir nebeneinander gekniet, Rohre und Platten verlegt, haben zusammen diskutiert und gefeiert. Wenn mich heute einer fragt, was waren deine Highlights mit den Fans in diesen 11 Jahren… dann war es für mich diese unglaubliche Meisterfeier im Zelt in Taucha, diese einmalige Auswärtsfahrt nach Berlin in die O2 World, fast 1000 Leipziger feiern dort den Einzug in die Play Offs…
Ich könnte jetzt noch viele weitere Dinge aufzählen. Es war eine unglaubliche Reise mit Euch, ich hab so viel in mir, was ich mitnehme aus dieser Zeit. Danke, dass ich einer von Euch sein durfte!

Bleibt diesem Club treu, findet Euch nach dieser Pandemie wieder, Ihr seid ein einmaliger Haufen. Vergesst nie, was Ihr da geleistet habt!

Danke und nochmal Danke - PRIVAT

Um dieses Dankeschön komme ich natürlich nicht herum, möchte ich auch nicht. Du hast mir all die Jahre den Rücken frei gehalten, hast mich immer meins machen lassen, warst immer da, wenn ich Dich gebraucht habe. Gemeinsam haben wir es trotzdem geschafft, unser Zu Hause nie zu vernachlässigen. Du warst Dir selbst für nichts zu schade, hast so manche Wohnung geputzt, die Kabine in Schuss gehalten, die Wäsche gewaschen und so einige Behördengänge erledigt. Du warst immer für alle da, aber immer im Hintergrund, nie fordernd.
Gemeinsam haben wir eine unglaubliche Zeit hinter uns. Danke, dass Du mich das hast so machen lassen. Jetzt ist es an der Zeit, etwas zurück zu geben. Danke Mele.

Zum Schluss - PERSÖNLICH

Nun ist es ja heute so üblich zu seiner Verabschiedung Fotos und Videos von Erfolgen aus den letzten Jahren zu präsentieren. Ich habe mich aber für etwas ganz anderes entschieden.

27.03.2018 – Selb – wir verlieren in den Play Offs.

Ich glaube, es zeigt am besten ohne große Worte, wie wir diesen Club gelebt und geführt haben, wie unsere Gegner uns gesehen haben, was die „EXA ICEFIGHTERS“ sind.

Ich selbst durfte mit dabei sein, einen neuen, einmaligen Club auf den Weg bringen, ihm das Laufen lernen, dafür bin ich unendlich dankbar. Jetzt gilt es, neue Impulse zu setzen.

Mein persönlicher Wunsch kann natürlich nur einer sein: bleibt wie Ihr seid, haltet die Treue. Sponsoren, Fans, Mannschaft und Verantwortliche sind hier eine einmalige Einheit geworden.

Ich blicke voller Stolz auf diese Zeit zurück. Zeit, die wie wir alle wissen nicht immer einfach war.
Unendlich viele Stunden, Termine und Gespräche, tausende Kilometer. Tage, an denen man dachte jetzt geht es nicht mehr weiter, keine Perspektive. Aber wir haben nie aufgegeben, immer wieder Lösungen gefunden. Immer weiter, weiter, weiter…. 
Manchmal habe ich mir gedacht, warum tust du dir das an, für was? Und dann…

Freitag 20.00 Uhr, Spieltag, eine unglaubliche Atmosphäre im Stadion, im Zelt…Dienstag 16.00 Uhr die Kinder auf dem Eis, im Netz wird der letzte Derbysieg gefeiert…

Ja, genau dafür hab ich es gern gemacht, bin unendlich dankbar für diese Zeit, diese Momente.
Natürlich war mir klar, dass es so nicht für immer weiter gehen kann, dass Veränderungen kommen müssen. Nun ist es soweit, diesen Schritt zu gehen und vielleicht sieht man sich ja in der einen oder anderen Eishalle wieder.

Bleibt alle gesund und bleibt alle „IceFighters“ – Danke, dass ich einer von Euch sein durfte!

Euer

André Krüll